Das schweizweite Finanzmagazin
ETF-Sparpläne in der Schweiz: Kostenvergleich und Steuerstrategie 2024
Investieren

ETF-Sparpläne in der Schweiz: Kostenvergleich und Steuerstrategie 2024

Zurück zu Investieren
Teilen:

ETF-Sparpläne wachsen in der Schweiz stark: Mit über CHF 5 Mrd. verwaltetem Vermögen. Erfahre, wie du mit niedrigen Kosten und Steuervorteilen deine Rendite maximierst.

ETF-Sparpläne sind in der Schweiz auf dem Vormarsch: Per Ende 2023 verwalteten Anlegerinnen und Anleger über CHF 5 Milliarden in solchen Programmen – ein Plus von satten 30% gegenüber dem Vorjahr, so die Swiss Funds & Asset Management Association. Der Grund liegt auf der Hand: Während aktive Fonds mit durchschnittlichen TER von 1,5% die Rendite schmälern, fressen ETF mit 0,2% Kosten kaum Substanz. Bei einem Sparplan von CHF 500 pro Monat ergibt das über 20 Jahre eine Ersparnis von über CHF 10'000. Doch der Teufel steckt im Detail: Traditionelle Banken in der Schweiz verlangen oft hohe Depot- und Transaktionsgebühren, die den Vorteil zunichtemachen können. Dieser Artikel vergleicht die günstigsten Anbieter, zeigt Ihnen, wie Sie mit der richtigen Steuerstrategie Nettoerträge maximieren, und warnt vor typischen Fallstricken wie Wechselkursfallen oder Klumpenrisiken. Lesen Sie weiter, um Ihren perfekten ETF-Sparplan für 2024 zu finden.

1. Warum ETF-Sparpläne stark wachsen: Marktdaten und Vorteile

Die Beliebtheit von ETF-Sparplänen in der Schweiz ist kein Zufall. Neben den bereits genannten Milliardenbeträgen zeigen aktuelle Studien, dass immer mehr Anlegerinnen den Schritt vom aktiven Fonds zum passiven ETF wagen. Entscheidend sind drei Faktoren:

  • Tiefe Kosten: Ein ETF auf den MSCI World (z.B. iShares Core MSCI World UCITS ETF, TER 0,20%) kostet nur einen Bruchteil eines typischen Schweizer Anlagefonds mit TER von 1,0–1,5%. Auf 20 Jahre und CHF 500 monatlich spart das rund CHF 10'200.
  • Flexibilität: Sparpläne erlauben schon ab CHF 25 pro Ausführung den Aufbau eines diversifizierten Portfolios – ideal für Einsteiger.
  • Transparenz: ETFs bilden Indizes ab, deren Zusammensetzung täglich einsehbar ist. Keine versteckten Gebühren oder Intransparenz wie bei manchen aktiven Fonds.

Ein spezifisch schweizerisches Hindernis sind die hohen Depotgebühren der Kantonalbanken und der PostFinance. Wer nicht vergleicht, zahlt schnell CHF 50–100 pro Jahr allein für die Depotführung – das frisst die Rendite. Daher lohnt sich der Wechsel zu einem günstigen Online-Broker oder Neo-Anbieter.

2. Die grössten Anbieter im Vergleich: PostFinance, UBS, Swissquote, VIAC

Der Kostenvergleich zeigt grosse Unterschiede, die über Jahre Tausende Franken ausmachen. Wir betrachten vier typische Anbieter mit konkreten Zahlen für einen monatlichen Sparplan von CHF 500.

PostFinance

PostFinance verlangt 0,5% Transaktionskosten pro Ausführung, maximal CHF 6. Bei 12 Ausführungen pro Jahr fallen also CHF 30 an. Hinzu kommt eine jährliche Depotgebühr von meist CHF 30–50. Gesamtkosten pro Jahr: etwa CHF 60–80. Für kleine Beträge unter CHF 200 pro Monat ist das verhältnismässig teuer, weil der Mindestbetrag von CHF 6 jede Sparrate belastet.

Swissquote

Swissquote ist der beliebteste Online-Broker der Schweiz und bietet seit Neustem einen Sparplan mit Bruchstücken an. Die Kosten pro Ausführung betragen pauschal CHF 1.99 – unabhängig vom Anlagebetrag. Bei CHF 500 monatlich ergeben sich jährliche Transaktionskosten von CHF 23.88. Keine separate Depotgebühr. Swissquote ist damit für Sparraten ab CHF 100 sehr günstig.

VIAC

VIAC positioniert sich als reiner Vorsorge- und Anbieter für Vermögensverwaltung. Der Sparplan auf ETFs ist kostenlos bei der Ausführung, dafür erhebt VIAC eine Verwaltungsgebühr von 0,5% auf das gesamte Vermögen. Bei einem Anlagevolumen von CHF 6'000 (CHF 500 × 12 Monate) sind das CHF 30 pro Jahr. Je mehr Vermögen Sie ansammeln, desto teurer wird VIAC – bei CHF 50'000 wären es bereits CHF 250 jährlich. Ideal für kleinere Portfolios bis etwa CHF 20'000.

UBS

UBS verrechnet 1% des Anlagebetrags, maximal CHF 10 pro Ausführung. Bei CHF 500 monatlich sind das CHF 5 pro Mal, also CHF 60 pro Jahr. Zusätzlich eine Depotgebühr von meist CHF 40–60. Total: CHF 100–120 pro Jahr – der teuerste Anbieter im Vergleich. Nur sinnvoll, wenn Sie das UBS-Ökosystem (z.B. Kreditkarte, Hypothek) nutzen und dadurch Rabatte erhalten.

Fazit für die Praxis: Für monatliche Raten zwischen CHF 200 und CHF 1'000 ist Swissquote mit CHF 1.99 pro Ausführung der günstigste Anbieter. Für sehr kleine Raten (unter CHF 200) lohnt sich VIAC wegen der Null-Transaktionskosten. Wer grosse Summen oder komplexe Portfolios plant, sollte auch Anbieter wie Finpension oder FlowBank prüfen.

3. Steuerliche Optimierung: So bleiben Kapitalgewinne steuerfrei

In der Schweiz sind private Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Wertschriften steuerfrei – ein grosser Vorteil. Die Steuerlast fällt hauptsächlich bei Dividenden an. Mit der richtigen ETF-Wahl können Sie diese Effekte minimieren:

  • Thesaurierende ETFs bevorzugen: Diese legen ausgeschüttete Dividenden automatisch wieder an, sodass keine laufende Besteuerung anfällt. Die Verrechnungssteuer von 35% auf Dividenden wird erst bei Verkauf fällig – bis dahin arbeiten Sie mit dem vollen Ertrag. Beispiel: Der iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) (ISIN IE00B4L5Y983) ist thesaurierend und in Irland domiziliert.
  • Auf das ETF-Domizil achten: USA erhebt eine Quellensteuer von 30% auf Dividenden, die mit dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) auf 15% reduziert werden kann. Schweizer ETFs zahlen auf US-Dividenden ebenfalls 15%, aber zusätzlich die schweizerische Verrechnungssteuer. Irland domizilierte ETFs (wie die iShares- oder Xtrackers-Produkte) haben oft vorteilhafte Steuerabkommen: US-Quellensteuer beträgt nur 15%, und es gibt keine irische Quellensteuer auf Dividenden aus Nicht-Irland. Das spart Netto etwa 0,3–0,5 % pro Jahr.
  • Konkretes Beispiel: MSCI World ETF: Vergleichen Sie einen irischen ETF (WKN A0RPWH, TER 0,12%) mit einem schweizerischen ETF (z.B. UBS MSCI World CHF, WKN A0X8S5, TER 0,25%). Bei einer angenommenen Dividendenrendite von 2,5% und 15% Quellensteuer spart der irische ETF knapp 0,2% Steuern pro Jahr – über 20 Jahre und CHF 500 monatlich summiert sich das auf rund CHF 800.

Wichtig: Nutzen Sie für Schweizer Privatanleger die Möglichkeit, die Verrechnungssteuer auf Dividenden über die Steuererklärung zurückzufordern. Bei thesaurierenden ETFs entfällt dieser Aufwand, da die Steuer erst beim Verkauf anfällt und dann vom Vermögensertrag abgezogen wird.

4. Die richtige ETF-Auswahl: Heimatmarkt-Verzerrung vermeiden

Viele Schweizer Anleger bevorzugen aus Gewohnheit SMI-ETFs (z.B. CS SMI ETF, TER 0,25%). Das führt zu einem Klumpenrisiko: Der SMI besteht zu über 40% aus Finanzwerten (UBS, Nestlé, Novartis, Roche), die stark korreliert sind. Ein globaler ETF wie der MSCI World (ISIN IE00B4L5Y983) mit über 1'500 Unternehmen oder der ACWI IMI (ISIN IE00B6R52259) inkludiert auch Small Caps und Schwellenländer. So wird das Risiko breit gestreut.

Warum Sie CHF-gesicherte ETFs meiden sollten

Viele Anbieter werben mit währungsgesicherten ETFs (z.B. iShares MSCI World CHF Hedged). Der Aufschlag beträgt meist 0,20% zusätzliche TER. Da der Schweizer Franken langfristig tendenziell aufwertet, könnte eine Absicherung den Renditevorteil schmälern. Besser: Den Währungsmix bewusst in Kauf nehmen und die natürliche Diversifikation nutzen. Nur wenn Sie kurzfristig (1–3 Jahre) planen, kann die Absicherung sinnvoll sein – für einen langfristigen Sparplan nicht nötig.

  • Empfehlung für Einsteiger: iShares Core MSCI World UCITS ETF (Acc) (ISIN IE00B4L5Y983) – TER 0,20%, thesaurierend, irisches Domizil. Oder Xtrackers MSCI World UCITS ETF (ISIN IE00BK1PV551) mit TER 0,19%.
  • Für Fortgeschrittene mit Schwellenländer-Anteil: iShares MSCI ACWI UCITS ETF (Acc) (ISIN IE00B6R52259) – TER 0,20% oder SPDR MSCI ACWI IMI UCITS ETF (ISIN IE00B3YLTY66) mit TER 0,17%.
  • Bond-ETF als Ergänzung: Für Anleihen empfiehlt sich ein globaler Anleihen-ETF wie iShares Global Government Bond UCITS ETF (ISIN IE00B3F81R35) – TER 0,20%.

5. Typische Fehler vermeiden: Ordergebühren und Wechselkursfallen

Selbst mit guter ETF-Auswahl können Nebenkosten die Rendite schmälern. Drei häufige Fallstricke:

  • Fremdwährungsgebühren: Wenn Sie einen USD-ETF (z.B. den iShares S&P 500 in USD) kaufen, verlangen viele Broker eine Devisenmarge von bis zu 1%. Wählen Sie statt USD-ETFs die CHF-notierten Varianten (z.B. iShares Core S&P 500 UCITS ETF CHF Hedged oder die thesaurierende CHF-Version). Oder verwenden Sie Broker mit integriertem Währungskonto wie Swissquote, das Fremdwährungen zu Devisenkursen tauscht.
  • Marktaufträge vermeiden: Bei ETFs mit geringem Handelsvolumen kann der Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) mehrere Zehntelprozent betragen. Nutzen Sie Limits oder den Sparplan-Automatismus, der oft Bruchstücke zum nächsten NAV handelt. Sparpläne vermeiden Spread-Kosten, da sie meist tagsüber zum Indexschluss ausgeführt werden.
  • Zu kleine Sparraten: Wer nur CHF 50 pro Monat in einen teuren Broker investiert, verliert einen Grossteil der Rendite durch Fixkosten. Für solche Beträge sind VIAC (keine Transaktionskosten) oder Finpension (0,0% Gebühren auf ETF-Sparpläne) die bessere Wahl. Finpension verlangt lediglich eine kleine jährliche Pauschalgebühr von CHF 25, die sich ab kleinerem Portfolio lohnt.

Ein weiterer Tipp: Achten Sie auf die Abwicklungswährung des ETF. Handeln Sie nur in der Heimatwährung CHF, um zusätzliche Konvertierungsgebühren zu vermeiden. Swissquote und PostFinance bieten CHF-Konten, VIAC und Finpension wickeln alles in CHF ab.

6. Fazit: Jetzt den optimalen ETF-Sparplan starten

Die Wahl des richtigen ETF-Sparplans hängt von Ihrer monatlichen Sparrate und Ihren langfristigen Zielen ab. Für die meisten Schweizer Privatanleger ergibt sich folgende Faustregel:

  • Bei monatlichen Raten von CHF 200 bis CHF 1'000: Swissquote mit CHF 1.99 pro Ausführung – jährliche Kosten unter CHF 24, plus keine Depotgebühr.
  • Bei Raten unter CHF 200: VIAC oder Finpension, da Transaktionskosten entfallen (VIAC kostet nur die Vermögensverwaltung von 0,5% p.a., Finpension eine Jahresgebühr von CHF 25).
  • Bei Raten über CHF 1'000: Swissquote bleibt günstig, aber auch Flat-Ex-Broker wie FlowBank mit Nullprovisionen sind einen Blick wert.

Wählen Sie den für Sie passenden Anbieter und starten Sie noch heute mit Ihrem ETF-Sparplan – Ihre zukünftigen Erträge werden es Ihnen danken.

Weitere Artikel