Thesaurierende ETFs bieten Schweizer Anlegern massive Steuervorteile gegenüber ausschüttenden – erfahren Sie hier, warum und wie Sie wechseln.
Stellen Sie sich vor, Sie legen 100'000 Franken in einen ETF an – und nach 20 Jahren fehlen Ihnen wegen einer falschen Entscheidung bei der Ausschüttungsart über 20'000 Franken. Klingt unrealistisch? Ist es nicht. Die Wahl zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs entscheidet in der Schweiz nicht nur über den Zeitpunkt Ihrer Steuerzahlung, sondern auch darüber, wie stark der Zinseszinseffekt wirkt. Während thesaurierende Fonds jedes Jahr heimlich Ihre Gewinne reinvestieren und so Ihr Vermögen exponentiell wachsen lassen, zahlen ausschüttende ETFs Dividenden aus – die beim Steueramt sofort einen Teil Ihres Gewinns besteuern. Für Anleger mit einem Depot über 10'000 Franken kann der Unterschied bei einem jährlichen Ertrag von 5 Prozent schnell 1'000 Franken pro Jahr betragen. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie Sie mit dem richtigen ETF-Typ Ihre Steuerlast senken und gleichzeitig den Zinseszinseffekt maximal nutzen – konkret, mit Beispielen und Zahlen.
1. Warum die Wahl zwischen ausschüttend und thesaurierend entscheidend ist



Schweizer Anleger werden auf Dividenden mit der Verrechnungssteuer von 35 Prozent belastet – doch diesen Betrag können Sie zurückfordern, wenn Sie in der Schweiz steuerpflichtig sind. Der Haken: Sie müssen den vollen Bruttobetrag in der Steuererklärung deklarieren, und bis zur Rückerstattung vergehen oft Monate. Thesaurierende ETFs hingegen reinvestieren die Dividenden automatisch, bevor die Steuer überhaupt fällig wird. Das verstärkt den Zinseszinseffekt enorm: Bei einer jährlichen Rendite von 5 Prozent verdoppelt sich Ihr Kapital nach der Faustformel 72 / 5 in rund 14,4 Jahren – allerdings nur, wenn die Erträge nicht durch Steuerabflüsse geschmälert werden. Bei einem Depot von 100'000 Franken können Sie mit einem thesaurierenden ETF bis zu 1'000 Franken pro Jahr mehr an Steuerersparnis und Zinseszins realisieren, verglichen mit einer ausschüttenden Variante.
- Praxisbeispiel: Ein Anleger mit 100'000 Franken im ausschüttenden iShares MSCI World (A0DQB0) erhält jährlich rund 1'800 Franken Dividende. Davon werden 35% (630 Franken) als Verrechnungssteuer einbehalten – erst nach der Steuererklärung kommt das Geld zurück. Im thesaurierenden UBS MSCI World (A0X8ZS) fliesst der Betrag direkt in neue Anteile, und die Steuerlast verschiebt sich auf den späteren Verkauf.
- Zinseszins-Vorteil: Bei einer Haltedauer von 20 Jahren und 5% Rendite pro Jahr wächst ein thesaurierender ETF auf rund 265'000 Franken. Ein ausschüttender, dessen Dividenden netto (nach 30% Grenzsteuersatz) wieder angelegt werden, erreicht nur etwa 240'000 Franken – eine Differenz von 25'000 Franken.
Die falsche Wahl kann also zu unnötigem Steueraufwand oder verpasstem Wachstum führen. Vor allem in der Schweiz, wo Kapitalgewinne aus privater Vermögensverwaltung steuerfrei sind, lohnt es sich, die Steueroptimierung auf die Ausschüttungsart zu konzentrieren.
2. Grundlagen: So funktionieren ausschüttende und thesaurierende ETFs
Ausschüttende ETFs zahlen die erhaltenen Dividenden an die Anleger aus – meist jährlich oder quartalsweise. Ein prominentes Beispiel ist der iShares MSCI World (A0DQB0), der aktuell eine Dividendenrendite von rund 1,8 Prozent pro Jahr ausschüttet. Sie erhalten das Geld auf Ihr Bankkonto und können es selbst wieder anlegen oder ausgeben. Thesaurierende ETFs wie der UBS MSCI World (A0X8ZS) sammeln die Dividenden dagegen ein und legen sie sofort wieder im Fonds an. Dadurch steigt der Anteilswert kontinuierlich, ohne dass Sie persönlich etwas tun müssen.
In der Schweiz hat die steuerliche Behandlung einen entscheidenden Unterschied: Thesaurierende ETFs verursachen keine sofortige Steuerlast auf die reinvestierten Dividenden. Allerdings müssen Sie die Wiederanlagebeträge den Anschaffungskosten hinzurechnen – das schafft einen Steuerstundungseffekt bis zum Verkauf. Bei ausschüttenden ETFs wird die Dividende in dem Jahr, in dem sie zufliesst, als Einkommen besteuert. Wer also einen hohen Grenzsteuersatz hat, spart mit der Thesaurierung bares Geld.
Steuerliche Fallstricke bei ausländischen Dividenden
Ein besonderer Punkt betrifft die Quellensteuer auf ausländische Dividenden. Viele Schweizer ETFs legen in US-Aktien an – dort werden 15 Prozent Quellensteuer einbehalten. Bei ausschüttenden ETFs können Sie diese über das Steuerformular 823 zurückfordern, sofern der Fonds in Irland domiziliert ist (wie die iShares-ETFs). Bei thesaurierenden ETFs ist die Rückforderung komplizierter, weil die Steuer auf Fondsebene verrechnet wird und der Anleger sie nicht direkt geltend machen kann. Dennoch: Der Steuervorteil der Thesaurierung überwiegt meistens, vor allem bei langen Anlagehorizonten.
3. Steuerliche Behandlung in der Schweiz: Ausschüttungen und Kapitalgewinne

In der Schweiz werden Ausschüttungen aus ETFs als Einkommen besteuert. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent bleiben Ihnen netto nur 70 Prozent der Dividende – der Rest wandert in die Staatskasse. Kapitalgewinne aus dem Verkauf von ETF-Anteilen sind dagegen für Privatanleger steuerfrei (sofern die Wertschriften nicht als Geschäftsvermögen qualifizieren). Das macht die Thesaurierung so attraktiv: Die Dividenden werden nicht als Einkommen deklariert, sondern erhöhen den Kurswert. Erst beim Verkauf fällt die Vermögenssteuer auf den Wertzuwachs an – und die ist mit 0,1 bis 0,3 Prozent des Vermögens viel tiefer als die Einkommenssteuer.
- Beispiel: Ein Anleger mit 200'000 Franken im thesaurierenden Swisscanto ESG SPI (CH0022645409) erzielt 5% Rendite pro Jahr. Nach 10 Jahren beträgt der Gewinn rund 125'000 Franken. Davon wird bei Verkauf nur die Vermögenssteuer fällig (ca. 250 Franken pro Jahr), während bei einem ausschüttenden ETF jedes Jahr 30% der Dividende als Einkommen versteuert werden müssten (ca. 900 Franken jährlich).
- Hinweis zur Verrechnungssteuer: Bei ausschüttenden ETFs wird die Verrechnungssteuer von 35% automatisch abgezogen. Sie können sie zurückfordern, müssen aber den Bruttobetrag in der Steuererklärung angeben. Bei thesaurierenden ETFs fällt die Verrechnungssteuer auf Fondsebene an und wird mit der Steuerverwaltung verrechnet – für den Anleger entsteht kein Cashflow-Verlust.
Die Vermögenssteuer ist bei beiden Varianten gleich: Sie zahlen sie auf den gesamten Depotwert, unabhängig von der Ausschüttungsart. Wer also thesauriert, zahlt zwar laufend Vermögenssteuer auf den wachsenden Anteilswert, spart aber die Einkommenssteuer auf die Dividenden. Für Anleger mit einem Grenzsteuersatz über 20 Prozent ist die Thesaurierung fast immer die steueroptimierte Wahl.
4. Vergleich konkreter ETFs: Kosten, Rendite und Steuervorteil


Um die Theorie in die Praxis zu übersetzen, vergleichen wir drei konkrete ETFs, die bei Schweizer Anlegern beliebt sind:
- iShares Core MSCI World (A0NE9Q) – ausschüttend, Gesamtkostenquote (TER) 0,20%, Domizil Irland. Vorteil: tiefe Kosten und gute Sektorenstreuung. Nachteil: Sie zahlen jährlich Einkommenssteuer auf die Dividende von ca. 1,8%. Bei einem Depot von 100'000 Franken sind das rund 540 Franken Steuern pro Jahr (bei 30% Grenzsteuersatz).
- UBS MSCI Switzerland (A0MZ5M) – thesaurierend, TER 0,15%, Fondsvolumen über 2 Milliarden Franken. Dieser ETF investiert ausschliesslich in Schweizer Aktien. Die Dividenden aus Schweizer Titeln unterliegen der Verrechnungssteuer von 35%, aber durch die Thesaurierung entfällt die sofortige Einkommenssteuer. Perfekt für Anleger, die ihr Heimmarkt-Exposure mit minimaler Steuerlast aufbauen wollen.
- Swisscanto ESG SPI (CH0022645409) – thesaurierend, TER 0,25%, nachhaltiger Ansatz. Dieser ETF eignet sich für langfristige Anleger mit einem Horizont von mehr als 10 Jahren. Die Steuerersparnis durch die Thesaurierung beträgt bei einem Einkommenssteuersatz von 30% rund 200 bis 300 Franken pro Jahr pro 100'000 Franken Anlage, verglichen mit einer ausschüttenden Variante.
Ein wichtiger Punkt: Der Steuervorteil von thesaurierenden ETFs wird umso grösser, je höher Ihr Grenzsteuersatz ist. Wer im Jahreseinkommen über 80'000 Franken liegt, spart mit der Thesaurierung schnell 200 bis 500 Franken pro Jahr. Dazu kommt der Zinseszinseffekt: Die eingesparten Steuern bleiben im Fonds und arbeiten für Sie weiter.
5. Für wen eignet sich welche Variante?
Die Entscheidung hängt stark von Ihrer persönlichen Situation ab. Grundsätzlich gilt:
- Ausschüttende ETFs sind ideal für:
- Pensionierte oder Anleger, die regelmässige Geldflüsse aus ihrem Depot benötigen.
- Personen, die den Steuerfreibetrag auf Kapitalerträgen von 1'000 Franken (alleinstehend) bzw. 2'000 Franken (verheiratet) voll ausschöpfen wollen. Wenn Ihre Dividenden diesen Betrag nicht übersteigen, bezahlen Sie gar keine Einkommenssteuer darauf.
- Anleger mit einem tiefen Grenzsteuersatz unter 15% – hier ist der Steuernachteil geringer.
- Thesaurierende ETFs passen für:
- Junge Anleger mit langem Anlagehorizont (ab 10 Jahren) – der Zinseszinseffekt wirkt maximal.
- Personen mit einem hohen Grenzsteuersatz (über 20%), die Steuern aufschieben und zu einem späteren Zeitpunkt (wenn das Vermögen vielleicht tiefer besteuert wird) realisieren möchten.
- Anleger, die sich nicht um die Wiederanlage der Dividenden kümmern wollen – die Automatik ist bequem und diszipliniert.
Ein konkretes Szenario: Wenn Ihr zu versteuerndes Einkommen über 80'000 Franken liegt, können Sie mit der Umstellung von einem ausschüttenden auf einen thesaurierenden ETF pro Jahr rund 200 Franken Steuern sparen. Auf 20 Jahre summiert sich das auf über 4'000 Franken – plus die Zinseszinsen, die Sie nicht verlieren. Für Anleger mit einem sechsstelligen Depot ist der Effekt noch deutlicher.
6. Praktische Tipps für die Umsetzung
Damit Sie die Theorie in Ihrem eigenen Depot umsetzen können, hier fünf konkrete Handlungsempfehlungen:
- Nutzen Sie den Steuerfreibetrag geschickt: Bei ausschüttenden ETFs sollten Sie die Dividenden so planen, dass sie den Freibetrag von 1'000 Franken (alleinstehend) nicht überschreiten. Kombinieren Sie dafür einen thesaurierenden Kern-ETF mit einem kleinen ausschüttenden Teil, der genau die Freibetragsgrenze erreicht. Beispiel: 70% thesaurierender UBS MSCI World, 30% ausschüttender iShares MSCI World – so profitieren Sie vom Zinseszinseffekt und nutzen gleichzeitig den Steuerfreibetrag.
- Depot bei einem Schweizer Anbieter führen: Broker wie Swissquote oder Finrep liefern automatische Steuerberichte, die Ihnen die Deklaration erleichtern. Insbesondere bei thesaurierenden ETFs müssen Sie die reinvestierten Beträge den Anschaffungskosten hinzurechnen – ohne Steuerbericht wird das schnell komplex.
- Wechseln Sie bei Bedarf die Ausschüttungsart: Viele Broker erlauben einen kostenlosen Tausch von ausschüttenden in thesaurierende ETFs (z.B. von iShares A0DQB0 zu UBS A0X8ZS). Achten Sie darauf, dass der Wechsel kein steuerpflichtiger Verkauf ist, sondern ein reiner Tausch – dann entsteht keine Steuerfolge.
- Vermeiden Sie unnötige Transaktionskosten: Wenn Sie einen thesaurierenden ETF besparen, wählen Sie einen ETF mit einer tiefen TER (unter 0,20%) und hohem Fondsvolumen. Der UBS MSCI World (A0X8ZS) oder der iShares Core MSCI World (A2PKXK, thesaurierend) sind gute Kandidaten.
- Kombinieren Sie verschiedene Steuerstrategien: Nutzen Sie die Vermögenssteuer als Hebel: Da Kapitalgewinne steuerfrei sind, ist es vorteilhaft, thesaurierende ETFs möglichst lange zu halten, bevor Sie Teile verkaufen. Wenn Sie mal Cash benötigen, können Sie gezielt Anteile mit niedrigen Anschaffungskosten verkaufen – der Wertzuwachs bleibt steuerfrei.
7. Jetzt Ihr Portfolio optimieren: Steuern sparen mit der richtigen ETF-Wahl
Sie haben nun alles, um selbst zu entscheiden: Öffnen Sie noch heute ein Depot bei einem Schweizer Online-Broker wie Swissquote und prüfen Sie die Ausschüttungsart jedes ETFs. Wenn Sie feststellen, dass ein ausschüttender ETF Ihre Steuerlast unnötig erhöht und Sie einen langen Anlagehorizont haben, wechseln Sie zur thesaurierenden Variante. So sparen Sie jährlich hunderte Franken Steuern und lassen Ihr Vermögen maximal wachsen.



