Das schweizweite Finanzmagazin
Investieren in Schweizer Small Caps: Chancen und Risiken
Investieren

Investieren in Schweizer Small Caps: Chancen und Risiken

Zurück zu Investieren
Teilen:

Schweizer Small Caps bieten höheres Renditepotenzial, aber auch höhere Risiken. Erfahren Sie, wie Sie die Perlen erkennen und gezielt in Ihr Portfolio einbauen.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor fünf Jahren 10'000 Franken in die Aktien von Medartis investiert – ein Schweizer Medizintechnik-Unternehmen, das damals noch kaum jemand kannte. Heute wäre Ihr Einsatz über 50 Prozent mehr wert, während der breite Markt um den Nullpunkt dümpelte. Solche Geschichten machen neugierig: Schweizer Small Caps gelten als die versteckten Perlen der Börse, weil sie mit geringerer Analystenabdeckung und oft höherem Wachstumspotenzial locken. Doch der Schein trügt nicht – die Reise ist holprig, und ohne klare Strategie kann aus der Perle schnell ein fauler Apfel werden. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie die Chancen nutzen, die Risiken erkennen und Small Caps gezielt in Ihr Portfolio einbauen.

1. Warum Schweizer Small Caps die versteckten Perlen der Börse sind

Small Caps – Aktien mit einer Marktkapitalisierung unter 1 Milliarde Franken – sind das dynamische Segment des Schweizer Aktienmarktes. Während die Schwergewichte wie Nestlé, Novartis oder Roche oft als "sichere Häfen" gelten, sind Small Caps die Treiber von Innovation und Wachstum. Historische Daten zeigen: Der SPI Extra Index, der die Small- und Mid-Caps abbildet, hat den SMI in den letzten zehn Jahren annualisiert um rund 2 Prozentpunkte outperformt – bei allerdings höherer Volatilität. In der Schweiz finden Sie hier echte Nischenführer: Medartis revolutioniert die Knochenchirurgie, Belimo dominiert den globalen Markt für Klappensysteme in der Gebäudetechnik, und DKSH erschliesst als Dienstleister neue Märkte in Asien. Diese Unternehmen sind oft weniger bekannt, aber ihre Geschäftsmodelle sind robust und wachstumsstark.

  • Höheres Wachstumspotenzial: Small Caps erzielen häufig zweistellige Umsatzsteigerungen, während Large Caps nur einstellig wachsen.
  • Unter dem Radar: Weniger Analysten bedeuten mehr Chancen für kluge Anleger, die selbst recherchieren und früh einsteigen.
  • Diversifikation: Small Caps reagieren weniger stark auf globale Makrotrends, sondern sind oft auf spezifische Branchen oder Regionen fokussiert.

Der Haken: Diese höhere Rendite kommt mit einem Preis – höherer Volatilität und geringerer Liquidität. Wer in Small Caps investiert, muss einen längeren Atem haben und bereit sein, auch mal Kursausschläge von 20 bis 30 Prozent auszusitzen.

2. Was sind Schweizer Small Caps? Kriterien und Beispiele

Die Definition ist nicht in Stein gemeisselt, aber verbreitet: Small Caps sind Aktien mit einer Marktkapitalisierung zwischen 100 Millionen und 1 Milliarde Franken. In der Schweiz werden sie oft im SPI Extra Index (früher SPI Small & Mid) geführt. Daneben gibt es den breiteren SPI, der alle kotierten Schweizer Aktien umfasst. Konkrete Beispiele aus dem Small-Cap-Universum:

  • Medartis (SIX: MED) – Marktkapitalisierung rund 800 Mio. CHF, Spezialist für Titanimplantate in der Hand- und Fusschirurgie. Umsatzwachstum von über 10% p.a.
  • Belimo (SIX: BEAN) – rund 3 Milliarden Marktkapitalisierung, gehört eigentlich schon zu den Mid Caps, wird aber oft im Small-Cap-Kontext genannt. Weltmarktführer bei Antriebssystemen für Klappen in Lüftungsanlagen.
  • Phoenix Mecano (SIX: PMN) – 400 Mio. CHF, produziert Industriekomponenten wie Gehäuse und Sicherheitsschalter, hohe Exportquote.
  • DKSH (SIX: DKSH) – rund 2,5 Mrd. CHF, ist ein Mid Cap, aber viele Privatanleger zählen ihn zu den "kleineren" Werten. Dienstleistungen in Asien für Konsumgüter und Healthcare.

Diese Unternehmen zeichnen sich durch höhere Umsatzwachstumsraten und oft geringere Analystenabdeckung aus. Während Nestlé von über 20 Analysten verfolgt wird, haben Small Caps wie Medartis vielleicht gerade einmal drei oder vier, die regelmässig berichten. Das bedeutet: Informationsvorsprünge sind möglich, aber auch Überraschungen wahrscheinlicher.

3. Renditechancen: Historische Performance im Vergleich

investment performance chart

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der SPI Extra Index (Small/Mid Caps) erzielte in den letzten zehn Jahren eine annualisierte Rendite von rund 8 Prozent, während der auf die grössten Werte beschränkte SMI nur auf etwa 6 Prozent kam. Das mag wenig klingen, aber auf zehn Jahre ergibt sich ein erheblicher Unterschied: Aus 10'000 Franken werden im SPI Extra gut 21'500 Franken, im SMI nur 17'900 Franken. Konkretes Beispiel: Medartis ist seit dem Börsengang 2018 um über 50 Prozent gestiegen – in einer Zeit, in der der SMI kaum zulegte. Auch Belimo hat sich langfristig besser entwickelt als der Gesamtmarkt.

Achtung: Nicht alle Small Caps sind Erfolgsgeschichten. Die Streuung ist riesig. Während einige Werte wie Logitech (heute Large Cap) aus dem Small-Cap-Segment kamen, sind andere untergegangen. Deshalb ist Diversifikation der Schlüssel. Wer nur auf eine Aktie setzt, geht ein enormes Klumpenrisiko ein. Ein ETF oder ein aktiver Fonds kann helfen, die Breite zu nutzen, ohne alles auf eine Karte zu setzen.

4. Risiken bei Small-Cap-Investments

Small Caps sind nichts für schwache Nerven. Hier die wichtigsten Risiken, die Sie kennen müssen:

  • Höhere Volatilität: In Bärenmärkten können Small Caps 30 bis 50 Prozent stärker fallen als Large Caps. Im März 2020 büsste der SPI Extra zeitweise über 40 Prozent ein, der SMI nur 25 Prozent.
  • Geringere Liquidität: Die Geld-Brief-Spanne ist oft breiter. Bei einem Trade über 10'000 Franken kann der Spread schnell 1 bis 2 Prozent betragen – das frisst Rendite. Zudem kann es schwierig sein, grössere Positionen ohne Kursrutsch zu verkaufen.
  • Weniger Analystenabdeckung: Informationen sind rar, Quartalszahlen oft oberflächlicher. Negative Überraschungen wie Gewinnwarnungen oder Skandale treffen Small Caps härter.
  • Dividendenausfälle: Viele Small Caps zahlen keine oder unregelmässige Dividenden. Wer auf regelmässige Ausschüttungen angewiesen ist, sollte besser auf Large Caps setzen.

Handeln Sie konkret: Prüfen Sie vor dem Kauf die Liquidität anhand des durchschnittlichen Handelsvolumens. Ein Wert wie Medartis hat täglich rund 200'000 Franken Umsatz – das ist ausreichend für Privatanleger. Bei noch kleineren Titeln (< 100 Mio. Marktkapitalisierung) kann der Spread jedoch ruinös sein. Setzen Sie Limits bei Ordern, um nicht zu viel zu bezahlen.

5. Wie man in Schweizer Small Caps investiert

Sie haben drei Hauptwege, um in dieses Segment einzusteigen. Welcher für Sie passt, hängt von Ihrer Erfahrung, Ihrem Budget und Ihrem Zeithorizont ab.

Einzelaktien-Strategie

Direktkauf über einen Schweizer Broker wie Swissquote oder PostFinance. Minimum: Ein paar Tausend Franken, da die Transaktionskosten (ca. 10–20 CHF pro Trade) bei kleinen Beträgen überproportional ins Gewicht fallen. Sie müssen selbst recherchieren – lesen Sie Geschäftsberichte, verfolgen Sie Unternehmensnews. Vorteil: volle Kontrolle, keine laufenden Kosten. Nachteil: hohes Risiko bei Einzeltiteln.

ETF-Lösung

Der UBS ETF SPI Extra (ISIN CH0230895657) bildet den Small- und Mid-Cap-Index ab. Kosten: TER 0,40%. Minimale Investition bei Sparplan ab 50 Franken – ideal für Einsteiger. Sie erhalten eine breite Streuung über ca. 80 Titel. Nachteil: Keine Überrendite durch aktives Management, aber Sie sparen Zeit und Nerven.

Aktive Fonds

Fonds wie der Swisscanto (LU) Equity Fund Small & Mid Cap Switzerland setzen auf professionelle Selektion. Kosten: TER rund 1,2%. Historisch erzielen einige aktive Manager eine leichte Überrendite, aber nicht garantiert. Geeignet für Anleger, die bereit sind, höhere Gebühren für potenziell bessere Auswahl zu zahlen.

Praktischer Tipp: Nutzen Sie einen ETF-Sparplan für den Einstieg und bauen Sie später mit Einzeltiteln gezielt Positionen auf, wenn Sie sich sicher fühlen. So streuen Sie das Risiko und lernen gleichzeitig die Märkte kennen.

6. Steuerliche Aspekte bei Small Caps in der Schweiz

Gute Nachrichten: Für Privatanleger sind Kapitalgewinne aus Aktienverkäufen steuerfrei – egal ob Small Cap oder Large Cap. Das gilt für alle Schweizer und ausländischen Aktien, sofern Sie nicht gewerbsmässig handeln. Allerdings unterliegen Dividenden der Verrechnungssteuer von 35%. Diese können Sie bei der Steuererklärung ganz oder teilweise zurückfordern, wenn Sie Ihren Steuersitz in der Schweiz haben und die Dividenden deklarieren.

Vorsicht bei ausländischen Small Caps, die über eine Schweizer Börse gehandelt werden (z.B. US-Titel als ADR oder europäische Werte). Hier fällt zusätzlich Quellensteuer im Herkunftsland an, die oft nicht vollständig anrechenbar ist. Auch Devisenrisiken (z.B. bei Unternehmen mit Umsatz in USD) können die Rendite schmälern. Für den Einstieg empfehlen wir daher, sich auf Schweizer Small Caps zu konzentrieren – sie sind steuerlich einfacher und das Währungsrisiko entfällt.

7. Fazit: Small Caps als Baustein für Ihr Portfolio

Schweizer Small Caps sind kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein für langfristig orientierte Anleger. Sie bieten höheres Renditepotenzial, fordern aber auch mehr Engagement und Risikobereitschaft. Unser Rat: Beimischen Sie Small Caps mit einem Anteil von 20 bis 30 Prozent Ihres Aktienportfolios. Der Rest sollte in breit diversifizierte Large-Cap-ETFs oder Blue Chips fliessen. So nutzen Sie die Chancen, ohne das ganze Depot zu gefährden.

Prüfen Sie heute Ihr Depot: Fehlt der Small-Cap-Anteil? Ein Blick in den SPI Extra oder ein Gespräch mit Ihrem Vermögensberater hilft, die passende Umsetzung zu finden. Starten Sie mit einem kleinen Betrag – vielleicht einem ETF-Sparplan auf den SPI Extra – und lernen Sie die Dynamik dieses spannenden Segments kennen. Die versteckten Perlen der Schweizer Börse warten darauf, von Ihnen entdeckt zu werden.

Weitere Artikel